Danke 2018


Mit großen Schritten verabschiedet sich das vergangene Jahr, gerade so, als wäre es kaum nicht richtig da gewesen. Zumindest ist das mein Gefühl. Obwohl auch dieses Jahr wieder sehr bewegungsintensiv gewesen ist. Ich möchte mir – und, wenn du magst, auch dir – zum Rückblick auf 2018 die Frage stellen: Habe ich dieses Jahr sinnvoll, bewusst und erfüllt erlebt?

Ja … nein … ähm, ich mein‘ Jein. Genauso wie in dem Lied von Fettes Brot fühlt sich das für mich an. Das Wechselspiel von mir und meinem Ego in der Wahrnehmung führt auch in diesem Jahr zu sehr gegensätzlichen Erfahrungen. Von den unangenehmsten Tiefen bis zu den erfüllendsten Höhen – es war wieder alles dabei. Fette Lernaufgaben, an und mit den ich wachsen konnte, als auch die Ernte einiger Früchte von meiner Arbeit mit mir selbst.

 

Das Unangenehmste kann ich ganz gut zusammenfassen, denn es führt von den verschiedenen Ausdrucksformen immer auf ein relatives gleiches Ur-Gefühl und damit auch Ur-Problem. Dieses hat einen biografischen Hintergrund, welcher mir immer bewusster wird. Es sind die Zusammenhänge von mir und meinem Verhalten, welche durch die erzieherischen Möglichkeiten meiner Eltern festgelegt wurden. Ich meine, seit Jahren weiß ich und erzähle es auch, dass ich als Kind die Summe der Erziehungsleistungen meiner Eltern, meines Umfelds plus dem zunehmenden Bewusstsein über mich selbst bin. Und dass mit wachsender Bewusstheit die unbewussten Prägungen präsenter werden und ich mich damit konfrontieren kann. Das ist für mich ein ganz normaler Prozess. Eine Begleiterscheinung der Bewusstwerdung ist die immer detailreichere Wahrnehmung von Situationen und Zusammenhängen. Damit meine ich, dass ich die groben Prägungen schon länger durchschauen konnte und dass darauf immer subtilere Einzelheiten und Verbindungen offengelegt werden. Ich hatte vor ca. zwei Wochen einen Erkenntnissturm in mir, der mich einige Tage doll und jetzt auch weiterhin begleitet. Der war heftig, denn in ihm wurde mir gefühlt das erste Mal so kleinteilig präsentiert, durch welche Verhaltensmuster ich welche Handlungen mit welchen Zielen und Zwecken verfolge, was ich dadurch auslöse und wie ich dadurch mit mir umgehe … und, was das für Konsequenzen hat. Das war eine sehr umfassende Erfahrung, in der sich wirklich so viele Puzzleteile aus der Vergangenheit zusammengesetzt haben, dass ich echt baff war … und sehr traurig, über das, wie manches so gelaufen ist … und doch auch freudig, weil ich das alles so erkennen kann und dadurch mit mir wieder weiterkomme … und auch befreiend (für mich und andere), weil ich für mich Verantwortung übernehmen kann.

Das war in der Tat ein Jahresabschlussgeschenk, das, auch wenn ich es schon früher auspacken durfte, ganz wunderbar zu diesem Jahr passt. Es fühlte sich an, wie die Auflösung der ganzen Rätsel, die sich mir in Bezug auf mich selbst gestellt haben. Ich bin seither sehr erleichtert und finde wieder einmal mehr, dass sich die Arbeit und die Auseinandersetzung mit mir und meiner Biografie lohnen. Aber, und das ist auch meine Meinung, es muss nicht immer der Blick in die Vergangenheit sein, es sei denn er wird für die Dinge im Jetzt benötigt, damit sich Zusammenhänge erschließen. Beim Autofahren schauen wir ja auch nicht unentwegt in den Rückspiegel, sondern nur, wenn es erforderlich ist.

Beim Schreiben dieser Zeilen empfinde ich sehr große Dankbarkeit für mein Leben und für alle Menschen, durch die und mit denen ich meine Erfahrungen sammeln kann und für alles, was ich mir an Mut entgegenbringe, für die Entschlossenheit, mit der ich meinen Weg gehen möchte, für die Bereitschaft, immer wieder weiter zu machen, egal wie doof oder schwierig es an manchen Stellen für mich ist und für die Liebe, die ich dadurch erfahre. Ich danke jedem einzelnen Gefährten auf meinem Weg aus tiefstem Herzen. Und ich danke dir, der du meine Worte liest und vielleicht mit dem einen oder anderen Aspekt in Resonanz gehst.


So … und jetzt wünsche ich allen eine feine Weihnachtszeit mit erfüllten Momenten, mit sinnlichen Begegnungen und aufrichtigen Worten.




Andreas 

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