„Hast du schon alles?“


Alle Jahre wieder … es geht doch nichts über den vorweihnachtlichen Geschenkeerwerbsstress. Also für diejenigen, die ihn haben. Und geboren wurde dieser Stress mit der Überlieferung einer Geschichte. Der Geschichte von der Geburt Jesu. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Christentum ordentlichen Einfluss hatte und hat. Selbst diejenigen, die nicht in die Kirche gehen und nicht an Jesus oder den heiligen Geist glauben, wurden davon geprägt. Bewusst oder unbewusst. Das ist bei dem Einfluss der Kirche über die Jahrtausende auch gar nicht verwunderlich.

Es ist auch noch gar nicht so lange her, dass die Kirche noch zum Alltag der Menschen gehörte. Aber auch wenn es heute vielleicht nicht mehr so offiziell scheint und sich das Bild der Kirche sicherlich auch gewandelt hat, sind die Spuren unverdrängbar. Man braucht z. B. nur mal jemanden fragen, wie er, auch wenn er nicht an Gott glaubt, denn aussehen mag, sollte es ihn doch geben. Da ist unsere Geschichte aus meiner Sicht wie ein Mandala – die immer wieder gleichen vorgezeichneten Linien werden mit den eigenen Vorstellungen, geschöpft aus einer gemeinsamen Geschichte, ausgemalt. Das Bild Gottes ist meist ähnlich: Der alte Mann mit dem Rauschebart in den Wolken. Da haben die Marketing-Brüder der Kirche hervorragende Arbeit geleistet. Das Kreuz als unverkennbare Marke zusammen mit den ganzen symbolschwangeren Imagemotiven und einer jahrhundertelangen rigoros-konsequenten Business-Strategie haben es geschafft, in unseren Köpfen dauerpräsent zu sein, selbst wenn wir das nicht wollen. Verrückt – oder?

Ja … und auch der größte Atheist findet sich zur Weihnachtszeit in einer Art Rauschzustand wider. Folgsam verehrt er die christliche Weihnachtsgeschichte, welche sich, verbrüdert mit diversen Gewerbetreibenden, in einem neuen alten, materiellen Gewand auf den Märkten der Städte erträglich präsentiert. Das hat einen wesentlichen Vorteil: Mit Jesus und seiner Geburt und der Kirche hat das, außer den wenigen Reliquien, welche erinnernd platziert sind, nicht mehr viel zu tun. Wie einfach, so wird aus der Geschichte von einst, mit der eigentlich kaum noch jemand was zu tun haben will, ein moderner Ablasshandel. Einfach ein paar Holzhütten mit viel Kram, den keiner braucht, ein paar Fahrgeschäfte und ein wenig Handwerk aus alten Zeiten dazwischen (wobei das auch eher rückläufig ist) … zack fertig: Die große Weihnachtsblenderei. Die käufliche Scheinfreude. Das Funkeln des Sterns, welcher einst den Weg gewiesen hat, weicht dem Funkeln künstlicher Beleuchtung. Die Schönheit der besungenen „Stillen und heiligen Nacht“ weicht Unterhaltungsparadoxen. Der Ur-Stall, der einstige Ort des Geschehens, dehnt sich weiter in Richtung Konsum aus. Und aus Gold, Weihrauch und Myrrhe wurde Geld, (Glüh-)Wein, Rauch und mürrisch. Dagegen können die drei Könige aus dem Morgenland wirklich einpacken. :)

So hat alles seine Entwicklung und seine Zeit. Ich werde mit dieser Form von Event nicht so richtig warm. Das finde ich gut, denn so bleibt mir mehr Aufmerksamkeit für das, was die Weihnachtszeit potentiell in sich trägt. Denn neben dem ganzen Rausch und Stress gibt es jenes magische Gefühl, welches Einzug hält. Ganz so, als würde die Liebe sanft die Herzen berühren. Und ab genau dem Moment braucht es nichts mehr …

Ich wünsche dir eine erfüllte Zeit mit dir und deinen Liebsten.

Fühl dich gedrückt.

Andreas

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