Das Programm des Todes


Paradoxer geht es kaum noch: Egal, in welche Mediathek ich schaue, ich werde begrüßt von Sendungen, Serien und Filmen, die Mord und Totschlag zelebrieren. Es wird am Fließband getötet, entführt, erpresst und vergewaltigt. Als „ernster Krimi“ oder als „unterhaltsame Serie“. Das finde ich echt bedenklich.

Die größte Angst, die Angst vor dem eigenen Tod, wird zum Konsumgut in verschiedensten Formen. Casting-SOKOs ermitteln gutaussehend in immer perfideren Inszenierungen. Die Manifestation von Gut und Böse ist mittlerweile zum alltäglichen Unterhaltungssektor avanciert.



Krimis gibt es ja schon sehr lange und auch ich sehe mir das noch ab und zu an. Das Spiel mit dem Tod und der Angst davor hat von jeher seine magnetische Wirkung. Und das nicht ohne Grund. Der Adrenalin-Kick mit anschließender Ausschüttung von Glücklichmachern aus sicherer Distanz erzeugt seine ganz eigene Befriedigung. Aber wie bei jedem anderen, von außen zugeführten Kick lässt mit der Zeit auch hier die Wirkung nach und es braucht eine neue Dosierung. Deswegen werden die zu lösenden Fälle immer krasser und psychotischer, verachtenswerter und unvorstellbarer. Gleichzeitig wird die Messlatte für die Empathie immer höher gelegt, weil es immer „normaler“ wird, dass mindestens ein Quotentoter die gehaltlose Story aufwertet. Auch die ganzen Serien der Streaming-Anbieter finde ich irgendwie pathologisch. Blut- und gewaltgeiles Zombietainment. Krank und verstörend muss es sein, sonst schaut sich das keiner mehr an. Kollektiv betrachtet, ist es ein ernüchternder Spiegel unserer Gesellschaft. Das temporäre Hochgefühl ersetzt die Unzufriedenheiten und Herausforderungen des Alltags. Die Entfremdung des Selbst ist hier der Fortschritt – mit Selbstzerstörung als Nebenwirkung.



Es ist und bleibt verrückt und für mich sinnfrei. Denn, wohin soll mich das bringen und wofür ist das gut? Damit ich wachse? Damit ich besser Phobien in den Alltag projizieren kann? Lerne ich so, in wahrhaftige Verbindung mit mir und meinen Mitmenschen zu kommen? Kann ich dadurch Feindbilder abbauen? Überwinde ich so die Angst vor dem Tod? …

Lebendigen Dank fürs lesen und wenn du magst auch teilen.

Andreas

Photo by Daniel Jensen on Unsplash