„Der schwarze Ritter triumphiert immer…“


Das Ego auf seinem illusorischen Triumphzug ist nicht zu stoppen, selbst wenn es, wie im Film „Ritter der Kokosnuss“, ohne Arme und Beine gerade so für ein Unentschieden bereit ist. Hauptsache nicht verlieren, denn siegen wollen ist seine Natur. Erster, Bester und besonders besonders sein ist das unerreichbare Ziel. Die Filmszene ist an und für sich sehr sehr amüsant, jedoch steckt, genauer hingeschaut, eine nicht unbedeutende Erinnerung dahinter. Vielleicht erkennst du diesen Anteil in dir?

Ich bei mir auf jeden Fall. Mein Ego ist zu einem Leistungssportler konditioniert worden. Neben der unausweichlichen Entstehung des Egos hier auf der Erde, spielen die biografischen Hintergründe natürlich eine ebenso große Rolle. Das kannst du dir einfach mal ganz in Ruhe zu Gemüte führen: Du und ich, wir kommen auf die Welt mit einer „leeren Festplatte“. Nichts außer das reine Sein ist unser Zustand. Um überleben zu können, brauchen wir die Hilfe unserer Mutter, unserer Eltern im Idealfall. Dieser Zustand bleibt uns erhalten, bis wir so ca. 3 Jahre alt sind. Dann beginnt die Geburt des Egos. Begriffe wie „ich“, „mein“ oder „mir“ sind Anzeichen dafür (Tipp: Eckart Tolle widmet den Hauptteil seiner wunderbaren Arbeit diesem Thema. Jedes Buch lohnt sich). Die Idee „hier ich und da die anderen“ ist geboren. Die Illusion „Trennung“ beginnt. Kurzer Exkurs: Ich möchte diesen Vorgang nicht verurteilen, da er Teil der dualen Erfahrung hier ist. Und trotzdem würde es mir persönlich besser gefallen, wenn ich schon viel früher im Leben diese Zusammenhänge verstanden hätte; wenn es in der Schule ein Fach geben würde, in dem ich neben Meditation und Selbstverantwortung auch lernen könnte, was das Ego ist, wie es funktioniert und wie ich es zu einem Begleiter machen kann, der nicht so immensen Einfluss auf die Verhaltensstrukturen von mir hat. Exkurs zu Ende.

Mit dem Beginn der Trennung und damit meine ich auch die Idee der „Trennung von der Schöpfung“, beginnt eine besondere Art von Kampf. Die persönlich gesammelten Erfahrungen und Einstellungen stehen immer mehr anderen Haltungen und Sichtweisen gegenüber. Nun kann jeder mal für sich überprüfen, ob es zutrifft, dass der Gedanke von Konkurrenz beim Zusammentreffen unterschiedlicher Perspektiven auftaucht. Oder die Idee „Recht haben zu wollen“. Etwas besser oder wertvoller, als das andere zu finden etc. pp.

Es gibt aus meiner Sicht in unserer Gesellschaft kaum noch etwas, das nicht in Konkurrenz zu einander steht. Ob es das Streben nach den besten Noten oder den tollsten Klamotten, den neuesten Spielzeugen, dem leistungsstärksten Sportverein, der produktivsten Firma oder effizientesten Methode von irgendwas anderem ist … genau hingeschaut, wird es schon wirklich schwierig, Zusammenhänge zu finden, welche nicht der Konkurrenz und dem Vergleich unterliegen. Das finde ich echt krass. Wenn ich einfach mal davon ausgehe, dass es dem Großteil der Menschen ähnlich geht wie mir, dann ist es echt kein Wunder, dass alles so ist wie es ist. Ich habe Jahre gebraucht, um den Fokus von meinen Ego-Handlungsanweisungen zu durchschauen. Und das Durchschauen ist der Anfang. Der Anfang der möglichen Veränderung. Und ich schreibe mit Absicht „möglich“, denn ich glaube viele sind sich durchaus darüber bewusst, dass bestimmte erlernte Verhaltensautomatismen vielschichtig destruktiv sind. Das ist aber oft noch kein Grund, diese zu verändern bzw. überhaupt verändern zu wollen. Das Ego transferiert vielleicht noch die Selbstverantwortung auf andere Menschen und zack … kann alles so bleiben, wie es ist. Die anderen sind schuld an diesem oder jenem. Den finde ich doof, weil … Das geht nicht, weil … Wenn es nur so oder anders wäre, dann … und so weiter und so fort. Das Ego wird immer eine Rechtfertigung für seine Ideen finden und dir anbieten. Es findet auch immer einen Weg, um das Gefühl von Trennung aufrecht zu erhalten. Und wenn das alles nicht reichen sollte, werden noch stärkere Geschütze auf das Schlachtfeld der Beweisführung gerollt. Besonders beliebt ist die Projektion. Sie ermöglicht die konstruiert-verzerrte Wahrnehmung im Außen. Sie baut die Geschichten der Verschleierung und schließt die Vorhänge zur Wahrheit. Das kann vom einfachen „was ganz anderes Hören“ bis zur pathologischen Phantasie gehen. Das Ego findet immer einen Weg für irgendeine Geschichte.

Soo … kurze Atempause.


Dieser Beitrag ist ungewöhnlich lang,
aber ich möchte ihn auch nicht kürzen.



… und weiter geht’s. 

Ein gemeinsames Ziel haben die ganzen Formen des Ego-Kampfes: Das Wegführen vom Wesentlichen und das Abgeschnittenfühlen von Allem-was-ist. Das Ego sieht Gott zum Beispiel als Bedrohung. Denn es würde um seine Existenz gebracht, wenn jemand mehr in der Schöpfung bewusst wird. Dann ist es ihm nicht mehr möglich, das Geschehen unbeobachtet zu lenken. Menschen, die wieder gelernt haben, ihren inneren Beobachter zu fokussieren, die meditieren oder Achtsamkeit trainieren oder irgendeine andere Form von Selbstwahrnehmung praktizieren, durchschauen die Verstrickungen zunehmend und entziehen dem Ego damit seinen Nährboden. Vielleicht fängt es dann noch mehr an zu kämpfen, sich aufzubäumen und noch krassere Geschichten zu erzählen … kann sein. Das spielt aber dann keine Rolle mehr. Denn, ist das Spiel einmal durchschaut, gibt es kein Zurück mehr. Es gibt vielleicht noch Erstaunen darüber, wie verzweigt die vielen Verhaltensmuster in der aktuelle Lebenssituation verwoben sind und es fühlt sich vielleicht auch noch mal hier und da blöd oder schwierig an. Aber auch das spielt nicht mehr die wesentliche Rolle.

Für mich ist dieser Prozess der Bewusstwerdung, auch Erwachen genannt, sehr beeindruckend und befreiend. Wenn ich zehn Jahre zurück schaue und mit heute vergleiche, frage ich mich manchmal, wie ich so blind sein konnte. Blind für mich selbst und blind für die allumfassende Wahrheit, welche alle relativen Wahrheiten beinhaltet. Der Weg ist nicht der einfachste, aber der einzige, der für mich Sinn macht – auch wenn ich mitunter Unverständnis erfahre. Woher soll das Verstehen auch kommen, wenn die Erfahrungen noch nicht gemacht wurden. Ich habe dafür vollstes Verständnis. :) Ich selbst habe auch alles so lange angezweifelt, bis ich es erfahren habe. Solange ich mich nur mit den Dingen außerhalb von mir beschäftige und identifiziere, geht das gar nicht anders. Zudem kommt, dass alle Erfahrungen, welche ich mit mir im Inneren gemacht habe, höchst subjektiv sind. Da gibt es auch keine Referenzen, die beleg- oder beweisbar sind. Aber es gibt die Resonanz. Und die kann jeder spüren. Entweder klingt da was in dir an oder eben nicht. Und es gibt ähnliche Abenteuer, die Erfahrene miteinander teilen können und da gibt es sicher auch viele Parallelen in der Wahrnehmung. Genauso wie die unterschiedlichsten Sichtweisen. Das ist immer auch abhängig vom Grad der Bewusstwerdung. Bis zu einem bestimmten Punkt vermischen sich die ganzheitlichen Erfahrungen gern noch mit den konditionierten Mustern. Es könnte dann z. B. der Eindruck entstehen, ich wüsste, wie alles läuft oder ich hätte die eine Wahrheit entdeckt. Ich weiß, wovon ich schreibe. Das passiert und ich nenne es „spirituelles Ego“. Es ist genauso das Ego, das durch die spirituelle Hintertür wieder hereinkommt und sein Werk verrichtet. Auch da geht es wieder um besser sein, mehr wissen und weiter sein. Deswegen muss auch jeder seine Wahrheit finden und die gemachten Erfahrungen für sich kultivieren. Im Idealfall findet man gleichgesinnte Gefährten zur Reflexion und Unterstützung. Oder einen „Lehrer“, der schon ein paar Erfahrungen gemacht hat und andere Suchende begleiten kann. So weit, wie es ihm möglich ist. Aus meiner Sicht geht es mit einem erfahrenen Begleiter schneller und einfacher. Er dient als Wegweiser durch den Dschungel der Konditionierungen und hilft bei der Bewusstwerdung über die Zusammenhänge.

 

Der letzte Absatz ist gleichzeitig auch ein Angebot. Solltest du dich angesprochen fühlen oder einfach interessiert sein, fühl dich frei, mit mir Kontakt aufzunehmen. Wir können dann gemeinsam schauen, ob wir zusammen ein paar Schritte auf deiner Erkenntniswanderung gehen wollen.

 

Ich danke wieder mal fürs Lesen … und Teilen.

Photo by Kyle Glenn on Unsplash