„Ich habe mich genossen“


Diese Begegnung, von der ich kurz berichten möchte, liegt nun schon einige Monate zurück. Irgendwann im April bin ich so durch die Stadt geschlendert, ich hatte Zeit und ich habe mich in ein Café gesetzt. Der Nebentisch war noch frei. Eine mir sympathische Frau war auf der Suche nach einem Platz und entschloss sich neben mich zu setzen. Ich schrieb gerade an einem längeren Text. Die Frau nahm ein Buch aus der Tasche und begann zu lesen. Auf dem Buchrücken konnte ich den Titel erkennen – irgendwas mit Aliens und ihren Besuchen hier auf Terra.


Dieses Thema interessiert mich auch, oder hat mich mal noch stärker interessiert. Da will ich jetzt aber gar nicht weiter darauf eingehen. Ok, eine Frage muss ich doch stellen: Hast du dich schon mal gefragt, warum es in unserem Sprachgebrauch zur Geburt auch die Formulierung „Auf die Welt gekommen“ oder „Zur Welt kommen“ benutzt? Ich glaube, dazu möchte ich später auch mal ein paar Sätze formulieren…

Nun gut … zurück zur Frau und dem Buch und mir. Nach einer Zeit habe ich sie auf den Titel angesprochen und meine Offenheit signalisiert. Das hat ihr gefallen und wir sind ins Gespräch gekommen. Dabei stellte sich heraus, dass sie dieses Buch gekauft hatte, ohne genau zu wissen warum. Irgendwie Interesse und irgendwie ist es ihr in die Hände gefallen, meinte sie.
Wir haben auch gar nicht mehr allzu lang darüber geredet. Unser Dialog wanderte recht schnell weiter auf unser beider Leben und deren markante Meilensteine. Sie ist freie Journalistin aus München und zu Besuch bei jemandem.

Bemerkenswert fand ich die Offenheit und Vertrautheit mit der wir uns begegnet sind. Es kommt generell ja nicht so häufig vor, das zwei Menschen gleich von Beginn an die Masken fallen lassen. Aber dadurch erreichte dieser Dialog eine Tiefe und Länge, die mich berührte und faszinierte. Wir waren beide dadurch an einem sehr guten Punkt mit uns selbst angekommen und Claudia meinte zum Abschluss: „Ich habe mich selbst genossen.“ Das fand ich richtig schön, denn wie häufig haben durch die Aufgaben und Herausforderungen im Alltag keine Zeit für uns, geschweige denn, dass wir an uns feststellen können: „Ich habe mich selbst genossen.“ 
Sich selbst genießen können bedeutet auch nicht über sich selbst zu urteilen, sich anzunehmen und sich zu vertrauen. Das trägt augenblicklich dazu bei, dass ich mich geborgen fühle. Geborgen in und mit mir und geborgen im Leben. Und dann gibt es nichts mehr, was ich verstecken oder geheim halten muss. Verschaffe ich mir auf diesem Weg Ausdruck, wird es für mein Umfeld ebenfalls leichter, sich authentisch zu zeigen und die Welt bzw. das Umfeld durch sich zu bereichern. Ist das eine Art Aufruf? Klingt ein wenig so… :) Naja, wer mag macht mit.

Mir hat das wieder mal bestätigt: je authentischer und offener ich bin, desto intensiver werden die Begegnungen mit anderen Menschen und gerade auch mit mir. Festzustellen, dass es völlig egal ist, wir wer ist und was er zu sein scheint. Unter diesen ganzen Etiketten und Masken verbirgt sich das Wunderbare und Wertvolle in jedem von uns.

Ich wünsche dir eine gute Zeit mit dir.

Andreas

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