Alles ist (wirklich sehr) gut


Das meine ich auch so, einfach, weil es mit dem richtigen Blick auch so ist. Manchmal oder meistens ist es auch erst in der Rückschau gut. Trotzdem möchte ich ein paar Zeilen zu meiner „Alles-ist-gut“-Beobachtung schreiben. Denn seit wirklich schon längerer Zeit begegnet mir diese Aussage so häufig, dass ich mittlerweile völlig fokussiert darauf bin … und dementsprechend oft höre: „Alles ist gut“.


So grundsätzlich und im passenden Kontext mag das ja auch alles so sein. Ich habe allerdings oft das Gefühl, dass diese besänftigende Wortgruppe für die Herstellung einer Pseudoharmonie benutzt wird. Sie haben sowas von „Bitte nicht tiefer, ich habe Angst, dass es mir zu emotional werden könnte“ … einer blumig formulierten Grenze. Ich weiß nicht, ob ich damit richtigliege, aber mich triggert das irgendwie. Immer, wenn ich das höre, – und es ist wirklich sehr verbreitet – reagiere ich zwar genervt, bin aber auf der anderen Seite dankbar, dass ich mittlerweile über so vieles sprechen kann und kaum noch Angst vor unangenehmen Gefühlen habe.

„Nee … alles gut“, gleich dreimal hintereinander in einem Dialog. Just in dem Moment, in dem ich hier sitze und bei meinem Kaffee in die Tasten haue. Wie verrückt. In diesem Fall diente die Aussage der in Panik geratenen Kollegin, welche offensichtlich etwas Wichtiges vergessen hatte. Zum Glück hatte ihre Kollegin das schon erledigt und so konnte diese mehrmals beruhigend wiederholen: „Alles ist gut“. Da bekomme ich immer wieder eine mittlere Krise, denn, wenn ich es so sehen kann, dass wirklich ALLES gut ist, dann bin ich zu JEDER Zeit bewusst über die Dinge, die geschehen. Wer ist das bitte im Alltag?

„Alles ist gut“ dient auch der Beruhigung von Kindern … bzw. wahrscheinlich eher der Eltern. Bekanntes Beispiel: Das Kind stürzt und fängt an zu weinen. Der Elternteil eilt zur Rettung und sagt dem gestürzten Kind „Alles gut, ist nichts passiert.“ Hä? Wie bitte? Wie oft habe ich das schon gehört? So ein Quatsch. Für das Kind ist gerade nichts gut, gerade, weil etwas passiert ist. Es hat vielleicht Schmerzen oder hat sich erschrocken oder hat Angst und möchte garantiert nicht angelogen werden. Ich meine, welche Verknüpfung wird da im Kopf abgespeichert? Es ist etwas passiert und ich darf keine Gefühle haben oder zeigen, weil ja alles gut ist? Erkennt ihr den Zusammenhang? So geht es dann im Erwachsenenalter munter weiter, nur, dass da eben andere Dinge „nicht passiert“ sind und deswegen „alles gut“ ist. Interessant oder?

So … und zu guter Letzt verabschiede ich mich und spreche noch eine Situation bei der Verkäuferin an, welche ich zwangsläufig mithören musste und die mich beschäftigte. Sehr überraschend bekam ich nach ihrer Antwort auf meine Frage eine Wortgruppe als Abschluss zu hören und jetzt dürft ihr mal raten, was sie gesagt hat? :)

Und trotzdem ist eben wirkliches alles gut, wenn ich es aus der Metaebene betrachten kann, weil es eben nicht anders hätte sein können. Und alles, was passiert, seinen Sinn hat.
In diesem Sinne wünsche ich euch alles Gute :) und sage danke fürs Lesen.

Andreas

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