Das ewige Leben


Ich glaube nicht länger daran, dass wir viele verschiedene Leben erfahren. Ich habe für mich realisiert, dass es nur ein Leben gibt: Ein ewiges Leben, welches durch verschiedene Wahrnehmungsebenen „unterteilt“ erfahren wird, so wie der Wechsel zwischen dem Physischen und Metaphysischen.

 

Vor vielen Jahren räumte ich noch nicht einmal die Möglichkeit eines weiteren oder vorangegangenen Lebens ein. Es gab nur dieses eine, welches ich bis zum Tod erfahre. Später auf meiner Erkenntniswanderung wurde es für mich durch meine Erfahrungen selbstverständlich, dass ich nicht nur ein Leben habe, sondern viele. Viele, die noch kommen und viele, die schon waren. Und seit gestern habe ich realisiert, dass es wirklich nur ein Leben gibt. Ein Leben, welches niemals endet. So wie ich als Seele niemals aufhöre zu sein. Das Leben ist mehr ein Erkenntnis- oder Erinnerungsprozess sowie Erfahrungs- und Schulungsprozess und nicht beschränkt auf unsere physische Wahrnehmung. Irgendwie wusste ich das vorher auch schon, aber nicht in so einer Tiefe des Verstehens.

Die Geburt und der Tod sind, wie alles in unserer Welt, polare Beschreibungen für etwas. Genauso wie es oft heißt der Anfang und das Ende,  das Kommen und das Gehen,  das Einatmen und das Ausatmen, das Schlafen und das Wachen. Allesamt spiegeln die Polarität. Ich finde das immer wieder faszinierend. Ich schreibe oft aufbauend auf die Polarität, aber sie ist nun mal nicht wegzudenken oder außen vor zu lassen. Sie ist und bleibt und wir wandeln die meiste Zeit zwischen den Polen.

So … ich würde gern noch versuchen, meine Realisierung in wenige Worte zu fassen. Zugegeben, das ist nicht so einfach.
Die perfekte Form zum Beschreiben ist der Kreis. Er hat keinen Anfang und kein Ende. Es sei denn, ich lege einen fest – wie die Geburt. Mit ihr beginnt dieses „Leben“. Mein (Wieder-)Eintauchen in die Polarität. Damit beginnt zugleich auch wieder die lineare Wahrnehmung in Raum und Zeit. In dieser Wahrnehmung wird der Kreis (das ewige Leben) quasi aufgeklappt und ich erfahre die Dinge in einer zeitlichen Abfolge. Hier entsteht der Eindruck von etwas Geradem, einer Strecke auf der ich unterwegs bin. Untermauert wird das z. B. durch unser Altern, welches in Zahlen gemessen wird. Immer eins nach dem anderen. Das geht das ganze „Leben“ so. Bis der Endpunkt kommt – der Tod. Diesen habe ich auch gesetzt. Diese Anfangs- und Endpunkte setze ich. Und spätestens mit dem Tod erlange ich die erweiterte Wahrnehmung außerhalb vom Körper und der polaren Grenzen wieder. Auf Seelenebene ist alles ganz klar: die Zusammenhänge, der Sinn, meine gewünschte Erfahrung aus der seelischen Ebene. Der Kreis schließt sich sozusagen wieder, obwohl er nie offen war. Alles befindet sich an einem Punkt. Genau genommen gibt es nur diesen Punkt. Das, wozu wir „Das Jetzt“ sagen oder auch „Ewigkeit“. Aber für die Beschreibung des Prozesses ist der Kreis sehr hilfreich. Auf diesem Kreis, der ein Punkt ist, „überlagern“ sich meine Augenblicke … ähm Sekunden, nee, Minuten, Stunden, Monate und Jahre. Auch die Jahrzehnte und Jahrhunderte und und und …

Da fällt mir ein wunderbarer Satz meiner mittleren Tochter Marlene ein, welchen sie als kleines Kind mit einer großen Gelassenheit sagte: „Papa, ich kann bis unendlich zählen.“ Hach wunderbar. Ach ja, sie stellte mir auch mal mit drei oder vier Jahren eine schöne Frage, die mich berührt hat: „Papa, ist das jetzt meine Welt?“. Berührt deswegen, weil sie ohne Vorwarnung aus einem Impuls heraus gefragt hatte.

 

In diesem Sinne wünsche ich eine endlose Freude und bedanke mich für dein Interesse.

Andreas

Photo by Cédric Servay on Unsplash