Spieglein, Spieglein in der Welt


Ich lese gerade so vor mich hin, als da eine Erinnerung vorbeikommt: Ich las in einem Abschnitt über die Einkehr in uns. Den Blick nach innen. Und das Abwenden, die Umkehr desselben. Eigentlich ist es ganz einfach mich zu erkennen und die Schau nach innen bewusst zu praktizieren, wenn ich das wirklich möchte. Die Möglichkeiten sind immer da, egal ob ich arbeite oder einkaufen bin. Ob ich Zug fahre oder im Gespräch bin.

Neben dem Spiegel im Bad gibt es zwei weitere Möglichkeiten. Der Spiegel im Bad wird bei längerer Betrachtung zu einer Tür für dein Inneres. Schau dir einfach mal ein paar Minuten in die Augen. Sieh dir in die Augen und wundere dich. Überwinde das komische Gefühl und wundere dich. Falls du die Verbindung zu dir verloren hast, kannst du sie da wiederfinden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Meditation. Sie ist so viel mehr als Entspannung und „Nice to do“. Meditation ist ab einem gewissen Punkt kein Mittel zum Zweck mehr, sondern der Zweck zur Mitte. Zu dir. Zu deiner Wahrheit und deinem Gewahrsein. Anfangs wird viel Aufhebens darum gemacht. Musik und Beiwerk und Riten und Anleitungen und Positionen. Und sicher mag das helfen. Doch nötig ist es nicht. Das steht aus meiner Sicht eher stellvertretend für die Vorstellungen, Ziele und Gedanken, welche sich zu Beginn in der Meditation zeigen. Gedanken, Wünsche und all der Kram, der uns so gefangen genommen hat - damit haben die meisten am Anfang zu tun. Den Ballast hinter sich zu lassen und den Fokus auf die Beobachtung zu legen. Dazu möchte ich dich ermutigen, denn es lohnt sich. Sehr.

Die dritte Möglichkeit, welche mir in den Sinn kam, ist das Erkennen von mir selbst im Anderen. Auch das ist nichts Neues, aber gut zu erinnern, da es im Alltag gern schnell vergessen wird und die Idee des Getrenntseins die Oberhand gewinnt. Dann gibt es mich hier und die anderen dort. Das Spiel von annehmen und ablehnen. Ich selbst vergesse es auch häufig. Und genauso häufig gelingt es mir schon. Der Spiegel aus dem Bad ist nicht verschwunden, nur weil ich das Bad verlassen habe. Das Spiegelbild findet sich in unserem Umfeld wieder. Ich kann mich in jedem einzelnen Menschen sehen, wenn ich das möchte. „Der da drüben“ ist der Spiegel im Bad. Schau wieder hinein. Auch er wird zu einer Tür für dich und offenbart dir einen Teil von dem, wie du bist oder sein könntest oder willst oder nicht sein willst.

Das Schönste an diesen Zeilen ist, dass ich mir bewusst darüber bin, dass ich sie auch mir selbst als Erinnerung geschrieben habe. Danke Andreas :)

So denn. Ich wünsche allen eine spiegelbewusste Zeit und danke fürs Lesen.

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