Freude und Spaß als ausgelagerter Lebensaspekt


Wenn ich meine Tochter Frida beobachte, wird es immer wieder sichtbar: Pure Freude am Leben! Empirische Neugier für längst übersehene Details. Ich liebe ihre spontanen Freudeausbrüche. Und Wutausbrüche. Und jegliche Art ihres Ausdruckes von Gefühlen. Oft stehe ich verkrampft daneben und frage mich, was mich immer wieder davon abhält, es ihr gleich zu tun. Die Antworten in Theorie habe ich alle, aber die Praxis ist so … vernünftig … oder besser schambehaftet.

Das beobachte ich allerdings nicht nur bei mir. Es scheint eher die Regel zu sein. Die Ersatzfreuden, welche es allerdings nie zu einer solchen Intensität schaffen, sind ein Wahnsinnsgeschäft geworden. Das Problem ist, aus meiner Sicht dabei, die Tatsache, dass ich etwas außerhalb von mir benötige, um irgendein bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Ich meine, es geht doch nichts über das Gefühl Freude von innen heraus auszudrücken, oder? Da kann im Vergleich die künstliche Freude, welche sich von außen nach innen ausdrückt … oder besser eindrückt, nicht ansatzweise mithalten. Diese bringt es maximal zu einem Kick, einem Moment der sich vielleicht so ähnlich anfühlt. Das ist Unterhaltung. Entertainment.

Das Überdenkbare ist die Tatsache, dass die Maske "Unterhaltung" unserer Gesellschaft oft als völlig normal hingenommen wird. Die Folge, über die sich im übrigen fast jeder auch aufregt, ist die Entfremdung und die Fremdsteuerung unserer Kinder und natürlich auch von uns selbst. Nur bei Kindern erkennen wir das eher. Und es ist auch nicht einfach, sich diesen Unterhaltungs-Tentakeln zu entziehen, sind diese doch dauerpräsent im Funk, Fernsehen, Werbetafeln, Kinospots, Busbeklebungen oder auf Lebensmittelverpackungen.

Das Leben, als das was es ist, hat damit nicht viel zu tun. Das ist ähnlich wie beim Rauchen oder allen anderen Ersatzbefriedigungen: Sie sind da, jeder weiß um deren Sinnhaftigkeit und trotzdem wird konsumiert. Und da schließe ich mich nicht aus.

Ich für meinen Teil habe schon vor Jahren beschlossen, mich immer mehr der Essenz des Lebens und den für mich wichtigen Schritten dahin zu widmen. Das ist erfüllend und anstrengend und freudig und traurig, aber in jedem Fall für mich sinnvoll. Ich möchte meine innere Freude wieder freilassen und da ist Frida mit ihren zwei Jahren  ein großes Vorbild.

So denn, danke fürs lesen und einen freudvollen Tag wünscht
Andreas

Foto: FreeImages.com/Marius Largu