Gibt es Objektivität?


Ich bin über diesen Begriff heute früh in einem Buch gestolpert. Das Wort beschreibt die Perspektive auf etwas. Objektivität ist also, wenn ich eine Sache oder Situation umfassender, in einem größeren Zusammenhang beobachte. Wie sagt der Volksmund: "… mit dem nötigen Abstand"? Ich denke, egal mit welchem Abstand ich auf etwas schaue und wieviel ich dadurch mehr erkennen kann, ändert nichts an der Tatsache, dass meine Subjektive der beobachtende Aspekt ist. Meine Frage: Gibt es Objektivität wirklich?
Ich sage kühn JEIN. Es gibt sie bis zu einem gewissen Grad der Betrachtung, aber eigentlich auch wieder nicht. Objektivität entsteht aus mindestens zwei subjektiven Perspektiven und kann maximal eine Einigung auf ähnliche Betrachtungsweisen beschreiben. So gesehen gibt es keine "reine" Objektivität. Denn auch die subjektiven Gemeinsamkeiten unterliegen den Schwankungen der individuellen Wahrnehmung. Andererseits sind wir durchaus in der Lage eine Art "Überblick" wahrzunehmen. Hhmm … Objektivität könnte vielleicht so etwas wie "die dynamische Sammelperspektive subjektiver Momentaufnahmen" sein.

Ich denke die Begriffe subjektiv und objektiv sind eine weiteres Beispiel für die Dichotomie innerhalb der Dualitiät. Beides ist als zusammengehöriges Gegensatzpaar erfahrbar. Mein Versuch nur einen Aspekt näher zu untersuchen funktioniert bis zu einem gewissen Punkt. Ab da verschwimmen die Grenzen der Unterscheidungsmerkmale und ich darf feststellen: das eine bedingt das andere, sonst wäre es nicht möglich.
Das amüsante dabei ist meinen Verstand dabei zu beobachten. Denn dieser versucht ja per se in Kategorien zu denken und die Dinge einzuordnen. Das geht ja auch, aber nur bis zu dem Moment, in dem klar ist, dass es nichts zu unterteilen oder zu trennen gibt. Tja, in welche Schublade darf es denn bitte? ;) Das erinnert mich an mein sonderbares Gefühl, welches sich immer eingestellt hat, wenn ich mir als Kind versucht habe das Ende des Universums vorzustellen. Langsam aus dem Zimmer herausgezoomt, über die Wohnung, das Haus, die Straße, die Stadt, das Land, der Kontinent, die Welt, das All, das All … das All … das All … das alles hat irgendwann in mir ein Schwindelgefühl ausgelöst, weil es meinen Verstand an seine Grenzen gebracht hat. Kennst du das Gefühl auch?

PS: Eine andere bekannte knifflige Frage für den Verstand ist: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Die Fragestellung suggeriert dem Verstand die Möglichkeit, innerhalb von Raum und Zeit, von Anfang und Ende, eine Antwort zu finden. Das ist unmöglich und darum für den Verstand so herausfordernd. Die Antwort wartet "außerhalb" der Dualität, wo sich die Frage so schon nicht stellt.