Die Falle der Bewertung


Für mich passiert nichts ohne Grund. Und auch mein morgentliches Erlebnis nicht. Vorab: Was habe ich dadurch erinnert? Unsicherheit, Zweifel und Kritik werden durch Bewertung und Vergleich erst möglich. Das ist an sich nichts Neues. Aber wie das so ist mit den Realisierungen, gibt es in der Tiefe einer Erfahrung fühlbar unterschiedliche Grade. Die Form der Erfahrung spielt am Ende keine Rolle. Ich möchte Sie trotzdem kurz beschreiben, um einen Zusammenhang herzustellen.
Inspiriert und angehoben durch ein Video-Interview mit Anssi Antila, welcher mir bis zu dem Newsletter mit dem Link dahin noch unbekannnt war, wollte ich mehr von ihm erfahren. Das Thema des Gespräches war Erleuchtung und es war spürbar, dass Anssi Antila eine umfassendere Erfahrung gemacht hat. Ich gebe zu, ich war etwas amüsiert über den ungewöhnlichen Ablauf der Unterhaltung. Der Grund dafür ist einfach: Weltliche Ereignisse, Dinge und Situationen sind mit Worten einfach zu beschreiben. Sie entstehen ja auch im Weltlichen – in der Polarität oder Dualität.
Anders wird es, wenn ich Erfahrungen aus dem nondualen Bereich beschreiben möchte. Da ist die Funktion der Worte lediglich ein Hilfsmittel, ein Wegweiser oder eine Orientierung. Mit ihnen lassen sich wirklich nur Annäherungen in der Beschreibung einer nondualen Erfahrung erreichen. Und in dieser Annäherung hängt es noch von jedem Einzelnen ab, wie er was deutet und interpretiert. Denn die Welt der Worte hat bekanntlich ja bei jedem unterschiedliche Anhaftungen von Bedeutungen, Geschichten und Gefühlen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das Wort Liebe. Mit unzähligen Bedeutungen und Interpretationen wird versucht, sie in die Polarität zu übersetzen. Daraus entstehen dann so seltsame Vorstellungen darüber was Liebe ist oder eben nicht ist. Allein der Versuch erwirkt eine Spaltung – verständlich, da in der Polarität nun mal alles seinen Gegensatz hat. Allein schon der Versuch die Liebe in ein weltliches Gewand zu kleiden, entfremdet diese und macht eine subjektive Vorstellung daraus. Genauso ist das übrigens mit dem Wort „Gott“. Eine weltliche Beschreibung kann nur scheitern, da sie versucht etwas, was die Einheit ist, in der Zweiheit zu erklären. Ich durfte schon Erfahrungen der Einheit machen und inneren Frieden schließen mit meiner Gewissheit das Gott die Liebe ist. Dafür bin ich sehr dankbar.

So, jetzt aber zurück. Thomas Schmelzer lädt in seinem Format mystica.tv Menschen ein, die spirituelle Erfahrungen gemacht haben oder in irgendeiner Form auch anbieten, worüber sich dann ausgetauscht wird. Ich mag Thomas Schmelzer. Er ist bestrebt Interessierten das höchst Subjektive und Unbeschreibbare zugänglich zu machen. In Form von Gesprächen in denen Worte bestimmte Erfahrungen beschreiben und der Zuschauer gemäß seiner Filter bestimmte Botschaften für sich entnehmen kann.
Nach dem Gespräch mit Anssi Antila wollte ich also, wie schon oben geschrieben, mehr erfahren. Ich habe nach dem Blog in der Suchmaschine Ausschau gehalten und bekam als zweites Suchergebnis "Kritik an Anssi Antila". Sehr interessiert habe ich in dem spirituellen Blog von Matthias Pöhm gelesen, um zu erfahren, was denn so kritikwürdig ist. Der Autor führt etliche subjektive Ungereimtheiten auf und schafft es damit, dass ich beginne Partei zu ergreifen. Es dauerte noch einige Absätze bis mir bewusst wurde, dass ich gerade wieder in die Falle der Bewertung getappt bin. Das war eine gute Lektion für mich. Denn, als ich das erkannt habe, konnte ich das Bewusstsein dahinter erfassen und beide Seiten mit ihren Meinungen annehmen. In dem Moment lösten sich die Tentakel der Befangenheit von mir und ich konnte wieder weiter inspiriert in den Tag starten.

Was habe ich jetzt daraus noch erinnert? Es gibt eine allumfassende Wahrheit, welche sich nicht in Frage stellen lässt, weil sie alle subjektiven Wahrheiten beinhaltet. Ich kann immer nur einen Aspekt bzw. eine Version der Wahrheit (oder Gott) in einer anderen Person erfahren.