Weltmeister im Besserwissen


Diese Formulierung habe ich, sehr davon amüsiert, in dem Buch „Wege zur Gelassenheit“ von Peter Lauster gefunden. Kennst du ihn auch, diesen unermüdlichen Teil, welcher nach Bestätigung und Rechthaben giert? Ich leugne diesen Aspekt von mir nicht mehr und widme mich immer bewusster der Beobachtung seiner Bemühungen. Meine Gedanken jetzt beim Eintippen der ersten Zeichen belegen das einfach wunderbar.
Ich habe mir vorgenommen, nur aus meiner Perspektive und von meinen Erfahrungen zu schreiben. Diese möchte ich lediglich anbieten und so den Raum für jede andere Meinung offen lassen. Trotz dieser Einstellung, kann ich in mir diese Ego-Tendenz zur Pauschalisierung beobachten. Pauschalisierung im Sinne von Dogmatischer Klugscheißerei á la „Bitte erkenne doch jeder, dass das, was ich schreibe, eine umfassende Gültigkeit aufzeigt, welcher sich natürlich jede andere Meinung beugen muss, weil sie so richtig und einzigartig ist und mich so besonders macht.“ Oh man. (Ich muss lachen dabei) Das Ego will einfach per se Recht bekommen und sich in den Vordergrund drängen. Es will Ansehen, Ruhm und Ehre und ganz besonders besonders sein. Gut, dass ich diesen Teil nicht mehr so ernst nehme.
Das ist aber, aus meiner Erfahrung heraus, nicht die Regel. Ich weiß wovon ich rede. An den Punkt zu kommen, ab dem das Ego teilnahmslos beobachtbar ist, bedarf einer Menge Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Und das ist für mich essentiell geworden. Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Mit zunehmender Praxis gibt es, ebenso zunehmend, mildernde Umstände für die eigene Gefühlswelt im Moment der Erfahrung oder Erkenntnis. Das lohnt sich, denn diese können sich durchaus schmerzhaft und sehr unbequem anfühlen. Als Bonbon wächst dadurch gleichzeitig die Freude an mir und dem Leben. Sehr schön.

Was für eine Einleitung zum eigentlichen Thema: Weltmeister im Besserwissen.
Frei nach Peter Lauster ist jeder auf seine Art und mit seinen Projektionen ein Weltverbesserer. Dem stimme ich zu, denn es kann, aufgrund des Entscheidungszwangs innnerhalb der Dualität, nur eine von zwei Sichtweisen gewählt werden (Ausgenommen bleibt jetzt hier die Perspektive der Liebe, in der es diese Art der Bewertung nicht gibt, da sie nicht in der Dualität beheimatet ist). Meine Projektionen beschreiben in dem Fall, wie ich die Welt sehe, was ich als hilfreich empfinde oder als nutzlos bezeichne. Meine Weltsicht ist sozusagen die Summe subjektiver Projektionen, welche sich aus meinen Bezugs- und Wertesystem entwickelt. Prima, so entstehen also die verschiedenen Meinungen und das wird bei z. B. Konflikten oft vergessen. Dann findet er statt: Der Kampf der Projektionen. Ein alltäglicher Kampf um Sein oder Nichtsein, Recht oder Unrecht, richtig oder falsch, rot oder blau. Die Schöpfung ist geschickt, denn würde es diesen Zwiespalt nicht geben, würde es die Welt ergo das Erfahrungsfeld, in dieser Form nicht geben. Wie sollte ich denn sonst herausfinden können, was hell bedeutet, wenn es nie dunkel ist? Oder was hoch bedeutet, wenn ich nicht weiß, wie tief sich anfühlt.

Zurück zum Kampf. Kampf ist Krampf. Das lässt sich an ewigen Diskussionen gut erkennen. Weil jeder mit seiner Perspektive die Welt verbessern möchte. Abgesehen davon, dass es aus spiritueller Sicht nichts zu verbessern gibt. Anders zu machen schon. Die Welt verbessern zu wollen impliziert, dass sie so, wie sie ist, schlechter sein muss. Für manche stimmt das, für andere nicht. Es ist und wird immer so sein, dass es keine Einigung auf nur eine Sicht oder Sache gibt. Wozu soll das auch gut sein? Das widerspräche dem Entwicklungsauftrag von uns als Seele hier auf Erden. Meiner Meinung nach sind wir hier, um das wieder zu erkennen, was wir schon sind und immer waren. Um das zu erfahren, braucht es eine Lebensschule mit unterschiedlichen Entwicklungsstufen, Klassen und Lehrern. Die Lebensschule, eine Schule von größter Bedeutung. Sie ermöglicht die wesentlichen Erkenntnisse. Sie lässt uns lebendig fühlen, interessiert sein und einander lieben.
Das wäre quasi das Kontrastprogramm zu der Institution, die ich als Schule erfahren habe. Meine derzeitige Sicht: Die Schule, wie ich sie kenne, hat nichts mit dem Leben zu tun. Sie ist eine Anhäufung von Wissen, welches im Leben kaum hilfreich ist. Sie ist die Fortführung einer massentauglichen Konditionierung, die bereits in den Kindergärten beginnt. Sie soll begrenzte Gesellschaftsautomaten produzieren, welche leistungsdressiert die Welt kaputtentwickeln. Das dafür erschaffene Raster sorgt schon ab dem Kindergarten für ein Spaltung. Innerhalb der Gruppen, Klassen oder Schulen und viel bedeutsamer noch, im Menschen selbst. Irritiert von der Inkompatibilität des natürlichen Leitsystems mit der ökonomischen Gemeinschaftsprojektion unserer Gesellschaft, wandeln viele Kinder, Schüler und Erwachsene, so wie auch ich viele Jahre, orientierungslos und sinnsuchend durch die Weltgeschichte. Und auch da denken und vor allem entscheiden unsere „Systemadministratoren“ was richtig, wichtig und gut oder schlecht ist.

Ein Weltmeister im Besserwissen ist für mich ein Mensch, dessen Begrenztheit die Illusion von Sicherheit versucht festzuhalten. Damit meine ich, den vertrauten und bequemen geistigen Bewegungsradius, welcher sich aus der jeweiligen Entwicklung ergibt. Ein Wunsch, der so nicht in Erfüllung gehen kann. Der durch ein subjektives Weltbild entstandene Spielplatz des Lebens kann sehr klein sein und auch dementsprechend schnell langweilig werden. Ein Beispiel: Das ist, als ob ich mit meinem Kind immer nur den Elefanten im Zoo anschauen würde und alle anderen Tiere einfach ausblende und so tue, als gäbe es sie nicht. Doof, weil mein Kind sieht die anderen Tiere ja und es wäre einfältig sie alle als Elefant zu bezeichnen zu wollen.

Einladung: Wie ließe sich dieses Beispiel in deinen  Alltag übertragen? Wo begrenzt du dich? Was wäre, wenn es diese Grenzen nicht gäbe?
Na wenn das mal kein Grund zur Veranlassung ist.